Jesuitenreduktionen Cordoba

File 1068Die Jesuitenreduktionen in und um Córdoba zählen zu den wichtigsten Kulturdenkmälern Zentralargentiniens und spielten für lange Zeit eine wichtige Rolle in der religiösen, kunsthistorischen und wirtschaftlichen Entwicklung der Region. Als Bollwerke des katholischen Glaubens nahmen sie außerdem auch einen entscheidenden Einfluss auf die staatliche Entwicklung Argentiniens und gelten heute als einzigartige soziale und religiöse Experimente in der Geschichte Südamerikas.

File 1176Den katholischen Glauben verbreiten und Bildung und Wohlstand in der neuen Welt vergrößern – das waren die Ziele jener Jesuiten, die sich im 17. Jahrhundert als Missionare in den Dienst des Papstes stellten und im Namen der römisch-katholischen Kirche zu neuen Ufern aufbrachen. Die Siedlungen, die sie auf dem Staatsgebiet des heutigen Paraguay und Argentiniens gründeten, erhielten in Anlehnung an das lateinische „reducere“ (dt. zurückführen, bringen) den Namen Reduktionen.

File 1311Die Aufgabe dieser Niederlassungen sollte es sein, die indianischen Ureinwohner zu Gott zu führen und sie auf diese Weise als Arbeitskräfte in die Kolonien des spanischen Imperiums einzugliedern. Tatsächlich verfolgten die argentinischen Jesuitenreduktionen eine einzigartige Strategie im Umgang mit den Indianern, die weniger auf eine Vernichtung ihrer kultureller Identität als auf eine beidseitig nutzbringende Zusammenarbeit ausgelegt war. In jeder der Reduktionen befand sich daher auch nicht nur eine Kirche und eine Schule, sondern wurden auch landwirtschaftliche Anlagen eingerichtet, welche die Selbstversorgung der Reduktionen garantieren sollten. Im Laufe der Zeit entwickelten sich die Siedlungen so zu kleinen Dörfern, welche den Ureinwohnern zusätzlich noch effektiven Schutz vor den Sklavenhändlern der umliegenden Regionen boten.

Neben dem Jesuitenblock in Córdoba, der das Herz der Reduktionen war und wenig später auch zur Heimat der ersten argentinischen Universität wurde, wurden noch fünf weitere Reduktionen in einer Entfernung von 30 bis 70 Kilometern von Córdoba gegründet. Ganz der Tradition der katholischen Kirche entsprechend, wurde bei der optischen Gestaltung dieser Siedlungen kein Aufwand gescheut, um die Größe und Herrlichkeit Gottes zum Ausdruck zu bringen – für Architekturliebhaber dürften die Jesuitenreduktionen daher ebenso interessant sein wie für Geschichtsinteressierte und Kunstfreunde.

Das von den Jesuiten ins Leben gerufene Experiment wurde nach rund 150 Jahren seiner erfolgreichen Durchführung schließlich 1676 von der spanischen Krone beendet: Zu groß waren der wirtschaftliche Reichtum und die politische Macht der Jesuiten in Südamerika geworden, als dass man sie weiterhin in den ohnehin instabilen Kolonien dulden wollte. Die Jesuiten wurden aus dem Land verwiesen und die Reduktionen verlassen – doch ihr einmaliger Status in der Kulturgeschichte Argentiniens bleibt bis heute unbestritten. Seit 1990 zählen die Jesuitenreduktionen Córdobas auch zum UNESCO Weltkulturerbe.

 
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